zu mir ſagte:„Gute Nacht, mein Lieber, ſchlaf recht wohl,“
Er warf mir eine Kußhand herauf und ſprang über das Wehr hinab. Sibylle ſah ihm nach und während ſie
hatte ſie ein ſeltſames, himmliſch freundliches Lächeln auf den Lippen. Darauf ging ſie in ihre Kammer und es war mir recht lieb, daß ſie ging; denn wenn ich auch gern bei meiner Nichte war, ſo zog ich doch eine nächt⸗ liche Waldpromenade mit meinem Doktor vor.. Der Doktor machte heut Nacht mit mir einen Spazier⸗ gang, der ſehr an die Jagden auf den Dachs erinnerte. Er raſte Berg auf; Bergab und wo die Waldwaſſer am breite⸗ ſten waren, da ſprang er darüber hinweg und ſang und ju⸗ belte und mich hatte er wieder recht lieb, denn er küßte 4 mich zu wiederholten Malen auf die Stirn. Es mochte Mitternacht ſein, als wir zur Mühle zu⸗. rückkehrten, die ſtill und dunkel in der Thalſchlucht vor uns lag. Hinter uns ſtand der Mond über dem Ber⸗ gesrand und verſilberte das kleine Fenſter, wo Sibylle ſchlief. Von dem geſperrten Wehr fielen einzelne Trop⸗ fen herab, leuchteten im Fallen wie Silber und wo ſie das Waſſer berührten, gab es einen zitternden hellen Kreis, der ſich langſam weiter und weiter ausdehnte. „Kennen Sie das Mährchen vom Dornröslein?“ fragte mich der Doktor.“ Es war einmal eine wunderſchöne Prinzeſſin, und die wohnte im dichten Wald. Sie ſtach ſich an einer Spindel und fiel in tiefen Schlaf. All⸗
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