So lagen wir im Fenſter und träumten, und als es zehn Uhr wurde, ging die Müllerin zu Bette, und wir erhielten die Erlaubniß, noch ein Paar Minuten aufbleiben zu dürfen. Nachtſchmetterlinge flogen umher, Leuchtkäfer blitzten auf dem Graſe und als ich ſo dicht an dem war⸗ men Körper des Mädchens lag, durchſchauerte mich ein kleiner Froſt. Es mochten wohl die Waſſernebel ſein, die aus dem Mühlenteich und den Bergwaſſern aufſtie⸗ gen. Sibylle bemerkte es, hob ihr warmes Tuch etwas von der Bruſt und warf es über mich hin. Gott, es war wie damals, als wir am Sonntagmorgen unter ei⸗ ner Decke ſpielten. Das Herz des Mädchens fühlte ich deutlich an meiner Bruſt ſchlagen, aber der Froſt wollte darum doch nicht aufhören.
Plötzlich hörten wir durch die Stille der Nacht ein
Klopfen wie Holz auf Holz und erblickten bald darauf den Doktor, der ſich an dem Mühlenwehr zu ſchaffen machte. Er ſah von Zeit zu Zeit zu uns herauf, und
ich bot ihm einen guten Abend. Anfänglich glaubte ich, er habe mich nicht gehört; doch war dem nicht ſo, denn als
Sibylle viel leiſer ſagte:„Guten Abend, Herr Burbus!“ ſprang er auf den Rand des Mühlbachs und trat unter das Fenſter.
„Was machen Sie da?“ ragte Sibylle.
„Ich mochte nicht ſchlafen,“ entgegnete der Doktor,
„ging um das Wehr ſpazieren, und bemerkte dort einen
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