aus dem zitternden Strahl der Abendſonne, dem man mit halbgeſchloſſenen Augen zuſieht, tauſend ſchöne glän⸗
zende Bilder entſtehen, Träume von zukünftigem Glück und zukünftiger Herrlihkeit. Ach, und ich war in mei⸗ ner Jugend ſehr empfänglich für ſolche Träume!
Die Sonne ging unter und der glänzende Abend⸗ himmel war erfüllt mit warmer lauer Luft. Sibylle und ich lagen im Fenſter der großen Wohnſtube und ahen auf das Mühlenwehr hinab. Es war um die Abendzeit, wo dem Doktor in die Familienzimmer kein Zutritt mehr gewährt wurde, und nur ich als Familien⸗ glied und kleiner Burſche das Recht hatte, bei meiner Nichte zu ſein, die in ſolchem Augenblicke im ländlichſten Negligee ſich befand. Ich hatte ein dünnes Sommer⸗ röckchen an und während die Mutter in ihren Büchern
, ſchwatzten wir von alten vergangenen Tagen und lachten über die Jugendſtreiche, die wir ausgeführt. Ich ſchlief damals in dem großen Gaſtbett neben dem Zim⸗ mer der Müllerin und Sonntags Morgens, ehe wir ge⸗ waſchen und angezogen wurden, ſchlüpfte Sibylle zu mir in's Bett und wir machten Pläne, wie der Sonntag hinzubringen ſei.! Auch erinnerten wir uns, wie wir zuweilen ein großes Leintuch entwendeten und damit im Garten ein Zelt aufſchlugen, woſelbſt der große Ketten⸗ hund, wenn er zum Beſuche kam mit großen Ehren
empfangen wurde.


