Teil eines Werkes 
1. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

230

größeren Bauern hat nach den Begriffen der alten home⸗ riſchen Zeit dort einen Gaſtfreund, dem er mit Sack und Pack, mit Pferden, Knechten und Mägden in's Haus fällt. Dort iſt der Mittagstiſch bereitet, es wird ſehr viel gegeſſen, ſehr viel getrunken und Abends geht es auf den Tanzplatz, und in der Nacht fährt die ganze Geſellſchaft wieder nach Hauſe mit Ausnahme vielleicht eines räudigen Schaafs in Geſtalt eines Müllerknechts Sder einer Magd, die bei der Stunde der Abfahrt nicht aufzufinden ſind.

Es war ein blendend ſchöner Sonntagsmorgen im Frühjahr, als wir in dieſem Jahr die erſte derartige Par⸗ thie mitmachten. Der Vetter Chriſtoph und der Doktor waren die einzigen, welche die Kirche nicht viel frequen⸗ tirten, und letzterer trieb ſich ſchon vor neun Uhr in den Ställen umher, um Pferde und Geſchirre in den beſten Stand zu ſetzen. Um eilf Uhr war alles bereit. Der Doktor hatte die vier trefflichſten Pferde vor den größten

Leiterwagen geſpannt und kutſchirte mit der Kreuzleine vom erſten Sitz. Er ſah wirklich majeſtätiſch aus. Von vormaligen Schlittenparthieen her hatte er ſich eine im⸗ menſe Fertigkeit erworben, die längſte Schlittenpeitſche zu handhaben. Und um dieſe Kunſt vollkommen zeigen zu

können, hatte er ſich heute eine Peitſche angefertigt, mit einer unendlich langen Schnur. Neben dem Wagen ſtan⸗ den in ehrerbietiger Erwartung der Großknecht, die Alte⸗