Teil eines Werkes 
4. Bd. (1874)
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Dokument, das ſie nicht beſaß, ausgeliefert zu erhalten, eine Entſcheidung herbeiführte, vor der ſie zitterte.

Dieſes Schweben in beſtändiger Furcht und Beſorg⸗

niß, das ängſtliche Aufhorchen auf Roſenthal's Worte, ſo oft jene Angelegenheit auch nur im Entfernteſten ſeinen Ideenkreis berührte, verſetzte die arme Ellen in einen ſolch' unerträglichen Zuſtand, daß ſie ſtundenlang mit ſich zu Rathe ging, ob es nicht beſſer ſei, denſelben mit einem Male zu endigen.

Wie zufrieden hätte ſie ſein können in dieſem ſtillen, friedlichen Hauſe, bei dieſen guten, wohlwollenden Men⸗ ſchen, wie blieben ſich Alle ſo gleich in ihrer uneigen⸗ nützigen Güte gegen ſie, und wie wohlthuend war dieſe Güte für die Unglückliche!

Wenn nur nicht irgend etwas wie eine gähnende Kluft zwiſchen Ellen und dem Arzte gelegen hätte, ihm, der ſie mit einer väterlichen Zärtlichkeit behandelte, aller⸗ dings unbekannt, ihr aber dagegen in um ſo häßlicherer Geſtalt erſcheinend, das ſchreckliche Bewußtſein, auch hier täuſchen, auch hier betrügen zu müſſen, wie ſie in ihrem unglückſeligen Leben ſchon ſo oft zu thun gezwungen wor⸗ den war! Dazu kam noch der quälende Gedanke, daß all' die Liebe und Freundlichkeit, die ihr hier zu Theil wurden, die ſie ſo glücklich machten, weniger ihrer Perſon, als der Schweſter des Herrn von Roſenthal galten, eines