— 22—
Und Herr von Roſenthal kannte Ellen zu genau, um nicht zu wiſſen, daß er wahrſcheinlich eine recht unange⸗ nehme Stunde haben würde, wenn er mit ihr die Ab⸗ wicklung jenes Geſchäftes vornehme. Wer konnte wiſſen, welch' grelles Licht ihr Arthur Weßner in dieſer Ge⸗ ſchichte aufgeſteckt hatte, und Arthur Weßner konnte durch den Grafen Leo Wieneck, mit dem er befreundet war, Manches erfahren haben— alſo ruhig abwarten, dachte Herr von Roſenthal, bis wir wieder vollkommen geſund ſind, und dann wollen wir äalles Das mit einem Male in's Reine bringen..
Auch Ellen verlebte ſelten eine Stunde, wo ſie nicht an jenes unglückſelige Papier dachte, welches ſie den Flammen übergeben, worin ſie allerdings damals groß⸗ artig gehandelt hatte, was aber jetzt, da Herr von Roſen⸗ thal lebte, wie ein ſchweres Unrecht gegen dieſen auf ihrer Seele laſtete, und trotz ihres Muthes bebte ſie bei dem Gedanken an eine Erklärung. Ausbleiben konnte dieſe nicht, und je länger ſie dieſe verzögerte, um ſo größeres Unrecht glaubte ſie an Roſenthal zu begehen, denn um ſo mehr entwickelten ſich ſeine glänzenden Pläne für die Zukunft, über die er zuweilen in Andeutungen ſprach; anderntheils mußte ſie auf ſeinen Zuſtand Rück⸗ ſicht nehmen, aber dabei beſtändig fürchten, daß er durch eine direkte Frage oder gar durch das Verlangen, jenes


