Teil eines Werkes 
4. Bd. (1874)
Einzelbild herunterladen

13

Deßhalb blieb Ellen neben dem Kaminfeuer ſitzen, und es war ihr angenehm, die behagliche Wärme deſſelben zu empfinden, ſowie träumeriſch in die ſpielenden Flammen zu blicken ach, ihr ganzes trauriges Leben zog an ihrer Seele vorüber viel Leid, wenig Freude, und ließ ſchwere Thränen aus ihren weit geöffneten, ſtarren Augen tropfen.

Dann hörte man den Doktor gegen das Haus her⸗ reiten, und Ellen hätte nicht ſagen können, ob es ſehr lange geweſen, daß ſie ſo am Feuer geſeſſen; auch Herr von Roſenthal wäre nicht im Stande geweſen, etwas Be⸗ ſtimmtes darüber mitzutheilen, denn nach der aufregenden Erwartung des heutigen Tages hatte ſich bei dieſer zähen Natur ſtatt heftigeren Fiebers eine wohlthätige Ruhe ein⸗ gefunden, und nachdem er durch Ellen's Erſcheinen und ihre Mittheilungen ſeine Lage ziemlich angenehm fand, entſchlummerte er und ſchlief nicht minder feſt, als im Eiſenbahnwagen vor jenem Duell.

Ja, der nun eintretende Doktor Flinder hätte nicht nöthig gehabt, auf den Zehen herbeizuſchleichen, nachdem er einen Blick nach dem Alkoven geworfen, um der jungen Dame eine ſtumme Verbeugung zu machen, die aber viel⸗ leicht gerade dadurch um ſo ehrfurchtsvoller ausfiel. Hierauf zog er den ſchweren Vorhang vor das Bett Ro⸗ ſenthal's und ſetzte ſich neben Ellen, behaglich ſeine