Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
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Unbeſorgt, Mama, was auch dieſes Schreiben ent⸗ hält, ich bin weit entfernt, Ihnen und mir eine Szene zu machen. Darauf ließ er ſich in einem Fauteuil an dem Fenſter nieder und las das ziemlich lange Schreiben aufmerkſam durch. Wie tief ihn der Inhalt deſſelben er⸗ griff und erregte, bemerkte man wohl an dem plötzlichen Erröthen ſeiner Stirn, an dem zornigen Blitz ſeiner Augen, ſowie daran, daß er an ſeiner Unterlippe nagte, nachdem er geendigt, und dann ſtumm in die Landſchaft hinausſchaute.

Erſt nach einer längeren Pauſe, während welcher er ein paarmal tief und ſchwer geathmet, ſagte er mit einer Stimme, der man deutlich anhörte, welche Mühe er ſich gab, ſie ruhig erſcheinen zu laſſen:Dieß Schrei⸗ ben unſerer guten lieben Freundin, der Pommerhauſen, iſt gerade ſo, als hörte ich dieſe würdige Dame ſelber reden o, ich kenne das, lachte er grimmig auf es hat den Anſchein, aber es iſt doch nicht ſo die Welt könnte es glauben, wenn die Welt nicht ſo ſehr vom Gegentheil überzeugt wäre, boshafte Zungen werden allerdings einen gehäſſigen Schein auf den guten Namen meiner Tochter werfen; aber boshafte Zungen pflegen zu lügen, weßhalb man ſich aus ſolchen Gereden nichts machen muß hol' ſie der Teufel und dabei iſt die alte Schwätzerin ſo vorſichtig, weder die Perſon näher