Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
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Der Graf Willibald Ferrner, Oberſtjägermeiſter Ex⸗ cellens, war ein ziemlich großer und kräftig gebauter Mann mit kurzem dunklem, aber grau melirtem Haar, und einem Geſichte, welches den harten, ſtrengen Zug um den Mund ſeiner Mutter in verſtärktem Grade zeigte, aber nicht deren große, ruhige, leuchtende und geiſtvolle Augen, während die ſeinigen, wenngleich lebhaft und feurig, etwas Unſtätes hatten und kleiner ausſahen als ſie waren, da ſie durch die ſtarken, borſtigen und tief herabgezogenen Augenbrauen gedrückt erſchienen.

Während er ſo am Fenſter ſtand, hatte die alte Dame die Lippen leicht mit ihrem Batiſttuche berührt und als⸗ dann nach einem tiefen Athemzuge einen der Briefe, die neben ihr lagen, in die Hand genommen, und denſelben langſam geöffnet, wahrſcheinlich in der Abſicht, darüber befragt zu werden, was denn auch Graf Willibald that, als er ſich jetzt wieder umwandte..

Sie haben Briefe, Mama etwas Wichtiges oder Unangenehmes?

Unter andern von Deiner Tochter, Willibald!

Ah, ich dachte ſoeben an ſie, und dabei ging mir Allerlei durch den Kopf!

Freundliches?

O ja, wie immer, ſo oft ich mich mit ihr beſchäftige bin ich doch jetzt, wenn ich an ihre Stellung da unten