Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
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die Füden höher hinaufreichen, Herr von Roſenthal be⸗ fand ſich ſehr im Vertrauen des Kronprinzen, der eine ſtarke Liaiſon gehabt haben ſoll, wer weiß, ob jener nicht für dieſen eintrat hätten Sie es über ſich vermocht, Mama, unſern alten Freund Tönning zu empfangen, ſo würden wir jedenfalls die Wahrheit genau erfahren haben.

Tönning iſt ein genauer Freund unſeres Hauſes, antwortete die alte Dame in einem ſehr ernſten Tone, und es wäre unpaſſend geweſen, alsdann nicht ſeine Frau mitzuempfangen, und das will doch ſehr überlegt ſein.

Nun, jedenfalls lieber Doktor, wandte ſich der Graf an dieſen,ſehe ich in den nächſten Tagen nach Ihrem Hausgenoſſen, und mittheilſam, wie er mir ge⸗ ſchildert wurde, werde ich von ihm etwas Näheres er⸗ fahren.

Die letzten Worte mochte Doktor Flinder als eine Erlaubniß anſehen, ſich zurückziehen zu dürfen, denn er erhob ſich raſch, verſprach der alten Dame bald wieder zu kommen und wurde hierauf nach einem freundlichen Händeſchütteln von dem Grafen bis an die Thüre des Gemaches begleitet; dann kehrte der Letztere wieder zurück, trat an das große Fenſter und blieb dort, in die Land⸗ ſchaft hinausſchauend, ein paar Minuten ſchweigend mit übereinandergeſchlagenen Armen ſtehen.