Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
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bei ihre Augen einen düſteren Blick auf die Landſchaft warfen.

Ah, ich verſtehe, und die Anweſenheit des jungen gnädigen Herrn läßt ihm einen andern Verkehr wün⸗ ſchenswerth erſcheinen.

Auch bereiten ſich dort in der Reſidenz allerlei Dinge vor, bei denen es ihm hart erſcheint, vielleicht von hier oben zuſchauen zu müſſen, wenn wir eines Nachts den Himmel geröthet ſehen von feſtlichen Illuminationen.

Das wäre doch ſo leicht zu ändern!

Da kennen Sie meinen Sohn Willibald nicht und jetzt, wo er anfängt zu fühlen, daß ſeine freiwillige Verbannung ſchwer auf ihn drückt, und wo ich Hoffnung auf einen Ausgleich hatte, kommt noch etwas hinzu, was dieſe meine Hoffnung gänzlich zerſtört.

Die alte Dame hatte bei den letzten Worten, welche ſie gegen ihre Gewohnheit haſtig erregt ausſtieß, die rechte Hand feſt auf einige Briefe gedrückt, welche neben ihr auf einem Tiſche lagen; dann aber erhob ſie den Kopf, wie auf ein ſich näherndes Geräuſch horchend, und fuhr dann in einem ganz veränderten Tone fort: Wie ich höre, lieber Doktor, haben Sie ja ſeit einigen Tagen einen ganz eigenthümlichen Beſuch.

Ah, Sie meinen den ziemlich ſchwer verwundeten Herrn von Roſenthal!