— 63—
den Beſitzer jener herrſchaftlichen Equipage zu ſehen, dem es Vergnügen mache, in einer ziemlich kalten Winternacht im Schritt über's Feld zu fahren.
„Da auch an der gerühmten Stelle der Weg kaum genügend breit war, ſo kamen wir ſo dicht an einander vorbei, daß ich den andern Wagen mit der Hand hätte erreichen können, beſonders da ich mich auf den Rückſitz des meinigen begeben hatte, um beſſer ſehen zu können — was aber glauben Euer Majeſtät, was meine Augen ſahen?— Roſenthal ſah ich— Roſenthal's allerdings furchtbar bleiches Geſicht; aber mit weit offenen Augen, die aufwärts in die volle Mondesſcheibe ſtarrten, und das waren nicht die Augen eines Todten— und wenn ich auch an dem Leben dieſes unheimlichen Mannes nach allem dem, was ich gehört, noch hätte zweifeln wollen, ſo ſchwand dieſer Zweifel doch, als ich jetzt ſah, wie ſich ein leichtes Lächeln auf ſeinem Geſichte zeigte, wie er mit dem Kopfe nickte— ja, Majeſtät, bei meinem Ehren⸗ wort— wie er mir zurief: Glückliche Reiſe!, Baron Tönning— auf Wiederſehen irgendwo!“
Hier ſchwieg Ihre Majeſtät, erſchüttert von dem, was ſie ſoeben geleſen, die Gräfin Pommerhauſen war unter der Schminke etwas blaß geworden, und die Oberſt⸗ hofmeiſterin preßte tief athmend ihre Lippen aufeinander, ehe ſie ausrief:„Das iſt ja furchtbar, Majeſtät, das iſt


