der ſolideſten Unſchuld hinter der Oberſthofmeiſterin in das Schreibzimmer Ihrer Majeſtät rauſchte.
Die Gräfin Wildenow, ſowie die Pommerhauſen ließen ſich nach der Sitte dieſer kleinen Abende ohne Weiteres nieder, während Gräfin Ferrner zu der Kammer⸗ frau trat, um ihre Dienſte bei Bereitung des Thees an⸗ zubieten.
Wie ſchön war dieſes junge Mädchen in dem ein⸗
fachen, knappanliegenden grauen Kleide, wie kunſtlos hatte
ſie ihr reiches Haar geordnet, und welch' reizende Wir⸗ kung machten die dicken kaſtanienbraunen Flechten gerade dadurch, daß ſie ſd einfach um ihr ſchönes Haupt ge⸗ wunden waren, eine naive, faſt kindliche Friſur, welche kokett hätte erſcheinen müſſen in jeder andern Geſellſchaft und zu jedem anderen Geſichte! Hier aber nicht, bei dieſen eben ſo regelmäßig ſchönen als kindlichen Zügen, voller Lieblichkeit und Adel, und bei dieſem großen, glän⸗ zenden Auge, das der reinſten, fleckenloſeſten Seele zum unangehauchteſten Spiegel diente.
So ſchien auch die Königin, die nach einer kleinen Pauſe eintrat, das Geſicht ihres Lieblings zu betrachten, ſie reichte ihr die Hand, und als die Gräfin Ferrner ſich herabbeugte, um ſie zu küſſen, hob ſie ſanft das Kinn in die Höhe und nickte ihr freundlich zu.
„Ah, meine Damen, ich freue mich, Sie zu ſehen—


