„Für Herrn von Mittow?“ fragte ſie raſch.
„Nein, für Roſenthal.“
„Iſt er verwundet? ſchwer verwundet?“
Der Maler zuckte leicht mit den Achſeln, ehe er zur Antwort gab:„Ich darf Ihren Schmerz nicht ſchonen, Sie würden morgen doch die Wahrheit erfahren, Herr von Roſenthal iſt todt.“
„Todt?“ rief ſie aufſpringend in einem ſo eigen⸗ thümlichen Tone, daß Arthur verwundert zu ihr empor⸗ blickte. Es war kein Schrei des Schmerzes, auch kein Schrei, wie er ſich im tiefſten Jammer der menſchlichen Bruſt entwindet, noch viel weniger lag Theilnahmsloſig⸗ keit darin; es war ein Ausdruck, ein Schrei, wie ihn vielleicht der Gefangene ausſtößt, wenn vor ihm mit einem Male die Kerkerthüren aufgeriſſen werden, wenn er plötz⸗ lich ſeine Ketten abfallen ſieht— die Freiheit vor ſich, aber zweifelnd, ob er in dieſer Freiheit glücklicher ſein wird, als in ſeiner engen Zelle.
„Todt— o mein Gott— das iſt entſetzlich.“
„Soeben zurückgekehrt von dem Ort jenes unglück⸗ lichen Zuſammentreffens, wollte ich nicht verfehlen, den mir ertheilten Auftrag ſo raſch als möglich auszuführen, und trat zu Ihnen ein, ohne zu wiſſen, wer die Dame ſei, der ich den Brief überbringen ſollte.“
„Und Sie waren den ganzen Tag nicht zu Hauſe?“
Hackländer, Geſchichten im Zickzack. III. 3


