Lippen, um zu reden,— doch ſollte es anders kom⸗ men.
Das Kammermädchen der Gräfin Ferrner, eine hübſche Blondine, welche viele Romane geleſen hatte und aus denſelben, in Ermangelung von etwas Beſſerem, Situa⸗ tionen ähnlich der jetzigen behalten hatte, wo treue Diener ſich für ihre Herrinnen zu opfern pflegen, verließ mit einem Male ihren Platz hinter der Thüre, um mit einer nicht zu verkennenden Geberde und einem recht natürlichen Aufſchluchzen zu den Füßen der Gräfin Ferrner nieder⸗ zuſtürzen und den Saum von deren Mantel an ihre Lippen zu drücken.
Graf Wieneck ſtand da, auf's Unangenehmſte be⸗ rührt, eben ſo ſehr über die neue Verwickelung ſeiner Lage, noch mehr aber und faſt ſchmerzlich durch das ver⸗ ächtliche Lächeln, welches jetzt auf dem ſchönen Geſichte der jungen Gräfin ſichtbar wurde, ſowie über den unbe⸗ ſchreiblich kalten Ausdruck ihrer Stimme, als ſie ſagte: „Ah, das löst dieſe ſeltſame Geſchichte auf höchſt natür⸗ liche Weiſe, und ich bedarf keiner weiteren Erklärung, Herr Graf.“
Hätte ſie nicht obendrein noch das Wort„natürlich“ gar ſo ſcharf betont; doch wie es war, ſo war es, und der Betreffende ſah es als eine ganz unnöthige Mühe an, die ſo eben gegebene Aufklärung nach der Art, wie


