Roſenthal habe die Wahrheit geſprochen, als er dem Könige geſagt, daß das Herz des Kronprinzen von einer leidenſchaftlichen Liebe bewegt würde— gegen wen? das wußte auch er nicht, und da er deßhalb eben ſo wenig eine genügende Mittheilung machen konnte, ſo ſpielte er den Unwiſſenden und hütete ſich wohl, der Oberſthofmei⸗ ſterin Ihrer Majeſtät zu ſagen, daß er bei jener Wette zwiſchen Baron Tönning und Herrn von Roſenthal gleich⸗ falls zugegen geweſen wäre.
„Daß die Königin von dieſer ganzen Geſchichte recht unangenehm berührt iſt,“ fuhr die ſchöne Gräfin fort, brauche ich. Ihnen wohl nicht zu ſagen; ſie hängt immer noch mit ganzer Seele an dem Projekte jener Heirath ihres Sohnes mit der Prinzeſſin Henriette, und hatte die Hoffnung, den Prinzen doch noch umzuſtimmen; nun aber ſteht die Sache ganz anders und ſchlimmer, da der Prinz irgend Jemanden liebt, wodurch ſich die Königin doppelt ſchmerzlich berührt fühlt.“
„Irgend Jemand?“
„Ja irgend Jemand,“ fuhr die Oberſthofmeiſterin achſelzuckend mit etwas verächtlicher Miene fort, wobei ſie den Grafen Wieneck fragend anſchaute, welcher indeß nichts Beſſeres zu thun wußte, als durch die gleiche Schulterbewegung ſowohl ſeine vollkommene Unwiſſenheit, als auch ſeine Meinung auszudrücken, daß dieſe„irgend


