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Lange brauchte er indeſſen nicht zu warten; denn nach wenigen Minuten wurde die Beſpannung der Wand ihm gegenüber etwas auf die Seite geſchoben, und eine ſtattliche, große und auffallend ſchöne Dame trat mit einem gewinnenden Lächeln in das Boudoir; jung war ſie gerade nicht mehr zu nennen, denn ſie ſtand auf der Mittagshöhe ihrer Reize; wenn man aber von dieſem hellen, blendenden Tag darauf ſchließen wollte, was der⸗ ſelbe in der Morgenfriſche der Jugend geweſen ſein konnte, ſo mußte man bedauern, den Anbruch dieſes Tages nicht mit erlebt zu haben; eine ſehr einfache, aber doch dabei ſehr gewählte Morgentoilette umgab dieſe prächtige Er⸗ ſcheinung, und da das weiße Gewand ihre herrliche Ge⸗ ſtalt nicht gar zu ſehr verhüllte, ſo hätte man, abgeſehen von ihren etwas ſcharf leuchtenden Augen, ſowie von ein paar kleinen Falten neben den ſtarken Lippen, ſchon glau⸗ ben können, die Morgenröthe der Jugend wolle hie und da durch leichte, weiße Wolken etwas gewaltſam hervor⸗ brechen. Dabei waren alle ihre Bewegungen ebenſowohl von einer wohlthuenden Ruhe, als von einer hinreißenden Anmuth. Sie ſetzte ſich auf den Divan zur Seite des Grafen Wieneck, legte ihre feine, weiße, etwas volle Hand auf ſeinen Arm und ſagte:
„Ich danke, lieber Freund, daß Sie ſo raſch gekom⸗ men ſind, was ich kaum erwarten durfte, da ich wohl


