Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
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und Liebe beſchäftige; aber um das Auge friſch zu er⸗ halten, iſt es nöthig, eine Arbeit hie und da ein paar Tage lang nicht zu betrachten.

Wie ich das verſtehe! Es muß Ihnen doch zuletzt recht langweilig werden, ſo lange an einem Bilde zu arbeiten, deſſen Gegenſtand Ihnen im Grunde wenig Intereſſe einflößen kann.

Das will ich hier gerade nicht behaupten; der Gegenſtand iſt für mich ſchon intereſſant genug, jedenfalls intereſſanter als ein gewöhnliches Porträt, und dann muß ich Ihnen das Kompliment machen, daß Sie mir nicht nur mit einer Geduld, ſondern auch mit einem Verſtändniſſe ſitzen, wie mir nie Aehnliches vorgekommen, was meine Arbeit bedeutend erleichtert.

Sowie auch der Gedanke, daß Sie nun bald von mir erlöst ſein werden.

Während Beide dieſe Worte wechſelten, hatte ſie in Einem fort das Bild betrachtet, und er ſich mit ſeiner Palette beſchäftigt, auf welcher er einige friſche Farben aufſetzte.

Jetzt wandte ſie ſich um und dann ſagte er in gleich⸗ gültigem Tone:Wenn es Ihnen nicht zu viel Mühe macht, gnädige Frau, ſo würde ich Sie bitten, nochmals auf dem Divan Platz zu nehmen, damit ich die ganze Figur noch einmal übergehen kann, um Einiges hie und da zu korrigiren.