Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
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jede ihrer Stellungen plaſtiſch, und doch über Alles eine ſo reizende weibliche Anmuth gegoſſen, daß neben der edlen Schönheit ihres Geſichtes ſowohl der Künſtler als der Mann, jeder ihrer Bewegungen lauſchend, in allen denſelben wieder eine neue, maleriſch vollendete Geſtaltung fand; ſo jetzt wieder, wo ſie die rechte Hand hoch über ihren Kopf erhob, um mit ihren zierlichen Fingern das einfache blaue Band zu ordnen, welches als einzige, aber genügende Zierde ihr reiches blondes Haar zu⸗ ſammenhielt.

Arthur hätte ſein Skizzenbuch hervorreißen mögen, um ſo ihre Geſtalt zu ſtizziren; doch zuckte er mit einem traurigen Lächeln die Achſeln, indem er ganz richtig dachte:Wenn ich alles Das an ihr, was den Künſtler entzückt, auch noch ſo flüchtig mit Bleiſtiftſtrichen feſthalten wollte, ſo dürfte ich das Skizzenbuch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Und dabei waren alle ihre Bewegungen ſo natürlich und ungekünſtelt, ohne jede Koketterie, und gerade da durch ſo hinreißend ſchön in den Augen des jungen Malers o hätte er langſam dicht an ſie herantreten dürfen und ſeine Hand in die ihrige legen, welche ſie in dieſem Augenblicke ſo anmuthig in ihre linke Seite gelegt hatte; o wäre es ihm vergönnt geweſen, nur einen ein⸗ zigen leichten Kuß auf ihr blondes Haar zu hauchen