Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
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284 Neunundzwanzigſtes Kapitel.

und erſt nach einem halben Jahre, als er Polizei⸗Director geworden war, geſtand er Welden, den er in Kirchheim beſuchte, daß es ihn ſelbſt glücklicher als ſeine Ernennung gemacht haben würde, wenn er einen gewiſſen, höchſt in⸗ tereſſanten Fall, den er indeſſen nicht näher bezeichnen wolle, mit Gründlichkeit hätte zergliedern können.

Der Stadtſchultheiß hatte ebenfalls die Reſidenz ver⸗ laſſen, auf die Empfehlung des alten Heilemann hin jenes Gut bei Kirchheim gekauft und daſſelbe mit ſeiner Frau und ſeiner Tochter Eliſe bezogen, welch letztere noch ein junges Mädchen, ihre beſte Freundin, Lucy, nicht ohne Kampf mit ſich genommen hatte; denn wenn Frau von Rivola es auch wohl gefühlt, wie dringend nöthig es für Lucy ſei, an einem ſtillen, friedlichen Orte zu weilen, fern von den Zeugen ihres ehemaligen Lebens, fern von allem, was ſie an jenen furchtbaren Schlag erinnern mußte, der ſo ſchmerzlich ihr junges Daſein betroffen, ſo hatte ſie ſich doch in der Liebe zu ihrem einzigen Kinde, ſowie in dem

Gefühle der Einſamkeit lange geſträubt, Lucy, wenn auch

nur auf einige Monate, von ſich zu laſſen. Doch die Freundſchaft hatte geſiegt. Ob dieſem Siege der Freund⸗ ſchaft noch ein anderer Sieg über Lucy's Herz folgte, darüber haben wir im Augenblicke keine Gewißheit, ob⸗ gleich eine recht angenehme Ausſicht.

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