Augenblick, mein verehrter Herr Polizeirath,“ wiederholte
270 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
waltſam zu ihm eindringen und an ſeiner Seite bleiben, bis er ſich geſammelt habe, bis er mit ihr hinaus in den Salon gehen könne. Doch hatte ſie weder Zeit zum Handeln, noch zum Ueberlegen, denn ſie vernahm jetzt die Stimme ihrer Mutter, welche beunruhigt nach ihr fragte.
Herr von Rivola war an der Thür ſtehen geblieben und ſtreckte ſeine Hände aus, wie ſein verſchwundenes Kind ſegnend, und ſo verharrte er wohl eine Minute, das Antlitz nach oben gerichtet, ſich innig flehend an Ihn wendend, der unſer Aller Vater iſt. Es war ein ſtummes Gebet, das er dachte und das ihn wunderbar geſtärkt zu haben ſchien, denn das fieberhaft Erregte in ſeinen Zügen war verſchwunden und hatte einem ſo ruhigen Ausdrucke Platz gemacht, daß Lucy, wenn ſie es geſehen hätte, darüber erſtaunt und erfreut geweſen wäre. Aber er ſchien noch nicht daran zu denken, in den Salon zu gehen, um dort ſeine hohen Gäſte zu empfangen, obgleich er das Rollen ihrer Equipagen, das Anhalten derſelben vor der Terraſſe, ja, ſogar vereinzelte Ausruſungen freudiger Begrüßung vernommen hatte; vielmehr öffnete er die Thür des Bibliothekzimmers und bat Herrn Merkel, für
einen Augenblick bei ihm einzutreten—„nur für einen


