268 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
ſam die Thür und meldete, daß auf der Höhe des Weges einige Wagen geſehen würden.
„Wie heißt es doch in jenem Gedichte?“ fragte Herr von Rivola mit einem matten Lächeln.„Ah, richtig— ‚und das Unglück ſchreitet ſchnelle— ich laſſe meine Frau bitten, die Herrſchaften zu empfangen.“*
Als der Kammerdiener die Thüre leiſe hinter ſich zu⸗ gezogen hatte, blickte Herr von Rivola wohl eine halbe Minute lang in die Höhe, wobei er ſeine Unterlippe zwiſchen die Zähne klemmte; dann legte er raſch ſeine beiden Hände um Lucy's Haupt, und ohne irgend welche Anſtrengung zu machen, ſeine hervorſtürzenden Thränen zu verbergen, rief er mit einem wilden, leidenſchaftlichen, herzzerreißenden Tone:„Und nun lebe wohl, meine Lucy, mein innig geliebtes Kind, du, mein Glück, du, die Freude meines Lebens! Gehe jetzt zu deiner Mutter— es iſt die höchſte Zeit!“ 4 4.
„Nein, nein, ſo verlaſſe ich dich nicht! Oe wie bin ich jetzt doppelt unglücklich, dir dieſen Kummer, dieſe
Aufregung verurſacht zu haben!“
„Du nicht, du nicht— bei Gott, du nicht, mein Kind! Es iſt mein Verhängniß, es iſt die ewige Ge⸗ rechtigkeit, die einen ſo tiefen Schatten wirft in mein Leben gerade an dem Tage, der mir ſo froh und feſtlich


