264 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
Herr von Rivola ſtieß einen tiefen, ſchmerzlichen Seufzer aus; dann ſagte er, ſeinen ſcheuen Blick eine Se⸗ kunde lang nach der Thür des Nebenzimmers richtend: „Aber man kann nicht immer zuſammenbleiben, meine liebe, gute Luey— nein, nein, man kann nicht immer — endlich muß es doch einmal geſchieden ſein— wenn — auch— mit— aller Schonung.“
„Gewiß, mein lieber, guter Vater, ich begreife das wohl,“ ſagte ſie in weichem, zutrauensvollem Tone, wo⸗ bei ſie ihn leicht auf die eiskalte Stirn küßte.„Ich be⸗ greife es und verſtehe es, wäre aber von ſelbſt wohl nie darauf gekommen, wenigſtens noch lange, lange, lange nicht, eine ſolche Trennung anzubahnen. Wenn ich aber,“ ſetzte ſie mit einem verſchämten, reizenden Lächeln hinzu, „ſelbſt einmal Veranlaſſung dazu gegeben hätte, ſo würde ich auch an dem betreffenden Tage haben ausrufen können: O, ich fühle mich ſehr, ſehr glücklich!“
„Und heute fühlſt du dich unglücklich?“
„Beinahe ſo.“
„Und ohne eine andere Veranlaſſung, als daß dir dein Vetter Eugen Hartenſtein gleichgültig iſt?“
„O, er iſt mir ſehr gleichgültig!“
„Und du haſt keine andere Veranlaſſung, Lucy? Sieh mir in die Augen, mein gutes, ehrliches, offenherziges


