Neunundzwanzigſtes Kapitel. 263
glücklich am heutigen Tage— werde aber doch deine gehorſame Tochter ſein.“
Zu jeder anderen Zeit würde er über die Worte ſeiner Tochter, als über die Launen eines jungen Mädchens, ge⸗ lächelt haben; heute aber, ſelbſt ſo unglücklich mit dem namenloſen Weh in ſeinem Herzen, zog er ſein Kind noch feſter an ſich, wobei er haſtig die Worte ausſtieß:„Aber du ſollſt ja glücklich werden, Lucy, du ſollſt und mußt glücklich werden, wenigſtens du— wenn auch.. Doch warum biſt du nicht glücklich? Spricht dein Herz nicht für die Verbindung, die wir, die beſonders deine Mutter ſo wünſchenswerth für dich anſieht?“
„Ich ſagte dir vorhin ſchon, ich würde deine gehor⸗ ſame Tochter ſein,“ erwiederte Lucy mit einem recht ernſten,
traurigen Blicke;„das weißt du auch, und eben ſo gut weiß ich, daß die Feſtlichkeit, auf welche ſich meine Mutter ſo unſäglich freut, in kurzer Zeit ſtattfinden wird— aber ich habe nie vor dir geheuchelt, mein guter Vater, und
will dir deßhalb auch jetzt nicht verhehlen, daß mich zu
meinem Vetter Hartenſtein nicht jenes Gefühl hinzieht,
das man haben muß, um eine glückliche Braut zu werden; ich möchte nicht ſo bald ſchon dieſes unſer liebes Haus verlaſſen, Mama und dich verlaſſen— o, ich möchte noch
lange, lange Jahre bei euch bleiben!“


