12 Zwanzigſtes Kapitel.
„Nun denn, ſo können Sie die Bitte, welche Sie ſo eben gethan, nicht im Ernſte an mich ſtellen. Wiſſen Sie, was das Zuſammentreffen bedeutet, zu welchem ich in kurzer Zeit aufbrechen muß? Nun, wenn Sie das wiſſen, ſo brauche ich Ihnen nicht zu ſagen, daß keine Macht mich abzuhalten im Stande iſt, bei einem Zuſam⸗ mentreffen zu erſcheinen, wo mehr als mein Wort ver⸗ pfändet iſt!“
„Vernunftgründe,“ rief ſie aus, indem ſie mit einer heftigen Bewegung ihr Haar mit beiden Händen von der Stirn zurückwarf,„die ich nicht verſtehen kann, nicht ver⸗ ſtehen will! Muß ich es denn ausſprechen, daß ich nicht mehr leben will, wenn du unglücklich biſt? Soll ich ge⸗ zwungen ſein, mein Haar auszureißen und aller Welt zu⸗ zurufen, daß ich mein Alles verloren? Ja, Albert, mein Alles, alles, was ich liebe auf dieſer Welt— Alles— Alles!“
Sie war bei den letzten Worten, die ſie in wildeſter Aufregung ſprach, vor dem Bette auf die Kniee nieder⸗ geſunken, hatte ihre beiden Arme um ſeinen Hals geworfe ihn gewaltig an ſich gezogen und ſich mit einem heißen Kuſſe an ſeine Lippen feſtgeſogen.
Vergeblich hatte er es einen Augenblick verſucht, ihre zarten, feſt in einander geſchlungenen Hände von ſeinem


