6 Zwanzigſtes Kapitel.
blick, ehe er das hindern konnte, ſich raſch niederbeugend, ihre heiße Stirn darauf gelegt; hierauf hatte ſie ſich wieder hoch aufgerichtet, ihn mit feuchten Blicken und
leicht geöffneten Lippen, zwiſchen denen die weißen Zähne
hervorſchimmerten, mühſam athmend, lange angeſchaut und ihm dann, als er nach der Thür ging, mit leiſer Stimme, aber in heftiger Weiſe geſagt:„Und ſo können Sie mich
verlaſſen, Albert?! Gute Nacht— gute Nacht denn,
Albert!“
Langſam war er hierauf in ſein Zimmer hinüberge⸗ gangen, nicht ohne mehrmals geſchwankt zu haben, noch⸗ mals zu ihr zurückzukehren, um ihr für ſo viel Freund⸗ ſchaft und Anhänglichkeit noch ein gutes, herzliches Wort zu ſagen, vielleicht das letzte in dieſem Leben. Aber ge⸗ rade der Gedanke war es, der ihn zurückhielt, daß er fürchtete, ihr gegenüber ſeine Kraft, ſeine Haltung zu verlieren. 4
Und ſo war er in ſein Zimmer gegangen und hatte bis ſpät in die Nacht hinein gearbeitet, ſcheinbar in tiefer Einſamkeit, denn er hatte es nicht vernommen, während er Schubladen auf⸗ und zuſchloß, während er Papiere ordnete oder zerriß, daß zuweilen ein vorſichtig ſchleichen⸗ der Schritt bis an ſein Zimmer kam, ein Weſen, welches ihn heiß und innig liebte, eine Frau, die, ihren Kopf
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