246 Neunzehntes Kapitel.
Polizeirath nicht umhin konnte, nach der Veranlaſſung zu fragen, worauf der Polizeiagent zur Antwort gab:
„O, nichts Beſonderes, es iſt nur die alte Geſchichte, die mir immer ſo komiſch erſcheint, ſo oft ich davon höre, und ich höre oft davon: das Geheimniß der Stadt näm⸗ lich, der alte Thurm, der unterirdiſche Gang im Zuſam⸗ menhange mit dem Rathhauſe und im Zuſammenhange mit dem Stadtſchultheißen— doch darf man Ihnen, Herr
Polizeirath, mit ſolchen Klatſchereien nicht kommen, ich
weiß das wohl.“
„Nein, gewiß nicht— ich haſſe dergleichen.“
„Auch ich glaube nicht daran, Herr Polizeirath, aber wie oft hat ſich ſchon in ſolchen Reden und Gerüchten ein Körnlein Wahrheit gefunden, und die Kunſt liegt nur darin, ſie herauszubringen.“
„Pah, Unſinn!“
„Gewiß, ſehr viel Unſinn, Herr Polizeirath— aber glauben Sie mir, es iſt doch auffallend, daß es in unſerer guten Reſidenz keine Zuſammenkunft gibt, keine Thee⸗ und Kaffeegeſellſchaft, worin das Geheimniß der Stadt, wie ſie es nennen, nicht des Langen und Breiten verhandelt wird.“
„O ja, ich weiß das alles,“ verſetzte Herr Merkel mit
Zeichen der Ungeduld:„der Stadtſchultheiß hat Gott weiß welch' finſtere Gründe gehabt, den unterirdiſchen Gang zu⸗ mauern zu laſſen— wer weiß, was er ſelbſt in früheren


