230 Neunzehntes Kapitel.
und wenn man die unſchuldigſten Fragen von der Welt an euch ſtellt, ſo glaubt ihr immer, es müſſe Gott weiß was Geheimes dahinter ſtecken.“
„Und bei dir mit vollem Rechte; ich kenne deine harmloſe Miene, weiß aber ganz genau, daß du nicht 1 einmal fragſt: Wie geht es Ihnen? oder: Wie viel Uhr iſt es? ohne deine beſonderen Gründe dazu zu haben.“
„Da müßte ich ja ein ganz unglücklicher Menſch ſein!“
„Das biſt du auch, aber glücklich in deinem Unglücke; doch wozu dieſe Abſchweifung, genug, ich will nun ein⸗ mal wiſſen, warum mich der Herr Polizeirath mit ſeinem außerordentlichen Vertrauen beehrt, warum du mich ver⸗ anlaßt, dir die genaueſten Mittheilungen zu machen, was Herr Welden thut und treibt.“
„Warum? Weil ich an dieſem jungen, vortrefflichen Manne, wie du ſelber weißt, einen ganz beſonderen An⸗ theil nehme— einen Antheil, ſetzte er freundlich lächelnd hinzu, in dem wir uns begegnen.“
„O, mein Intereſſe iſt ganz anderer Art, in Wirklich⸗ 3 keit wohlwollend, harmlos, nicht nur dem Scheine nach.“
„Das meinige ebenfalls; habe ich je eine Aeußerung anderer Art über ihn fallen laſſen?“
„O nein, aber du haſt deine guten Gründe, um über alles das, was er in den letzten Tagen that und thut, unterrichtet zu ſein, und dieſe Gründe will ich wiſſen.“


