Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Neunzehntes Kapitel. 229

feinem Holze, mit harmloſen Nippſachen beſetzt, vor dem der Polizeirath in einem äußerſt bequemen Lehnſtuhle ſaß. Doch befand er ſich nicht allein; vor ihm, die rechte Hand auf den Schreibtiſch geſtützt, ſtand eine ſehr ele⸗ gante Dame, in ſchwerem, dunkelm Seidenzeug gekleidet, in einem kurzen, grauen Mantel mit weißen Perlmutter⸗ knöpfen, einen kleinen, coketten, weißſeidenen Hut auf dem Kopfe, kurz, die Oberbauräthin Lievens, die Schwe⸗ ſter des Polizeirathes, in ihrer ganzen üppigen Schön⸗ heit. In der linken Hand hatte ſie einen feinen Regen⸗ ſchirm und machte ſich das Vergnügen, ie Spitze deſſel⸗ ben in den Papierkorb neben dem Schreibtiſche zu bohren, während ſie mit einigen anderen Zeichen von Ungeduld den Worten ihres Bruders lauſchte, der, ohne dieſe Unge⸗ duld im geringſten zu theilen, freundlich und behaglich, wie es ſeine Gewohnheit war, mit ihr ſprach.

„Du ſiehſt alſo, meine liebe Sophie,“ ſagte er,„daß ich dir eigentlich nicht mehr zu ſagen im Stande bin.“

„Eigentlich ja, aber uneigentlich, wenn du willſt, habe ich jetzt, ſo zu ſagen, wieder einmal Kaſtanien für dich aus dem Feuer geholt und kann nun mit ſchönem Danke von dir nach Hauſe gehen— hoffe aber, daß dein Zuſatz neigentlich“ ſo viel ſagen will, als: du wollteſt heute ein⸗ mal ein Uebriges thun.“

Der Polizeirath blickte lächelnd zur Decke empor, ehe er zur Antwort gab:„So ſeid ihr Weiber nun einmal,