22 Zehntes Kapitel.
über den Gang hinlaufenden Straßen und wußte deren
Lauf genau zu bezeichnen, ſondern auch einzelne Häuſer,
wie zum Beiſpiel das an dem alten Thurme am Glocken⸗ gäßchen, welches dem Herrn Bäron von Rivola gehört.“ „ Ah, dem Herrn Baron von Rivola!“
„Die runden Fundamente dieſes Thurmes,“ fuhr die
Oberkriegsräthin fort,„bildeten eine Biegung in dem
Gange, und als die Commiſſion neugieriger Weiſe das *
alte, intereſſante Mauerwerk mit den Laternen beleuchten
ließ, ſah ſie, daß ſich hier eine Thür befand, welche nur
locker durch eingeſchobene Steine zugemacht erſchien.“
Alle Damen waren dieſer Erzählung mit großer Auf⸗ merkſamkeit gefolgt, beſonders die Oberſteuerräthin, welche gierig jedes Wort von den Lippen der Rednerin abzu⸗ lauſchen ſchien, und zwar mit einem ſo beiſtimmenden Geſichtsausdrucke und dabei unruhig auf ihrem Stuhle hin und her rückend, daß man deutlich ſah, ſie warte nur auf einen günſtigen Augenblick, um die weitere Er⸗ zählung an ſich zu reißen.
Dieſer war jetzt erſchienen, und zwar dadurch, daß die Oberkriegsräthin ihr Weinglas an die Lippen ſebte, worauf die Andere fortfuhr:
„Es iſt ganz ſo, wie die Frau Oberkriegsräthin er⸗ zählt hat; ich habe es ebenfalls aus beſter Quelle, von meinem Bruder, der damals Stadtbaumeiſter war. Das Mauerwerk in der Thür des alten Thurmes war ſo locker
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