Zehntes Kapitel. 23
eingeſetzt, daß man es mit der Schulter hätte eindrücken können, worauf man auch den Herrn Stadtſchultheißen aufmerkſam machte, der aber, weiterſchreitend, erwiederte, eine wirkliche Oeffnung ſei hier nie geweſen.“
„Wobei er aber, wie mein Mann verſichert hat, eine etwas verlegene Miene gemacht habe.“
„So iſt es, meine Damen, ganz genau ſo,“ fuhr die Oberſteuerräthin in ſehr lautem Tone fort,„und nun bitte ich Sie, mußte das nicht auffallend erſcheinen— eine nothdürftig verſchloſſene Oeffnung mit dem Rathhauſe in Verbindung ſtehend durch eine Gitterthür, zu welcher der Stadtſchultheiß allein den Schlüſſel hatte!“
„Daß er allein dieſen Schlüſſel hat, weiß ich ganz genau,“ bemerkte die Hauswirthin.
„Das iſt allerdings auffallend.“
„Und verdächtig,“ rief die Oberſteuerräthin,„wenn man bedenkt, daß der Herr Stadtſchultheiß damals ſchon in einem außerordentlich intimen Verkehr mit jenem Herrn von Rivola, dem Eigenthümer des alten Thurmes, ſtand, der zu jener Zeit plötzlich erſchien und, wie alle Welt weiß, mit einem gewiſſen Mißtrauen betrachtet wurde.“
„Als Fremder allerdings, wie das ja gewöhnlich der Fall iſt,“ warf Madame Müller ein,„ſonſt aber wohl unverdienter Weiſe; kam er doch bald in die beſten Ge⸗


