Zehntes Kapitel. 21
haftes hatte, und neben derſelben funkelte dunkelrother Wein in geſchliffenen Karaffen. 4
„Daß ein Verbindungsgang zwiſchen dem Rathhauſe und der Hauptwache beſteht, darüber kann kein Zweifel herrſchen,“ erzählte die Oberkriegsräthin.„Mein Mann war vor zwei Jahren bei der Commiſſion, welche dieſen finſteren, unterirdiſchen Weg zu unterſuchen hatte.“ 1
„Ah, wie das intereſſant iſt!“ ſprachen beide Fräu⸗ lein Marx, und die Majorin ſetzte hinzu:„Mein Mann, der Major, hatte einen ähnlichen....“
„Dieſe Verbindung führte neben den Kellern der Häuſer jenes alten, jetzt etwas ärmlichen Stadtviertels, und zwar ſo nahe vorüber, daß die Commiſſion damals, wenn ſie lauſchend ſtehen blieb, die Leute in den Ge⸗ wölben arbeiten, klopfen, plaudern, lachen und auch an⸗ dere Töne hörte, deren Entſtehung man ſich nicht ſogleich erklären konnte. Der Stadtſchultheiß führte dieſe Com⸗ miſſion und ſchien in dem alten Gange ſehr bewandert zu ſein, denn wo die Anderen ſich trotz der Laternen nur tappend und ängſtlich fortbewegten, ging er mit einer Sicherheit, als befände er ſich in ſeinem Schreibzimmer.“
„Ah, das iſt ja erſtaunlich!“
„Ueberraſchend!“ meinte Madame Mayer gegen Ma⸗ dame Müller gewandt, indem ſie ein ſehr erſtauntes Ge⸗ ſicht machte.
„Auch kannte der Herr Stadtſchultheiß nicht nur alle


