18 Zehntes Kapitel.
„Gewiß, andere Gründe.“
„Der üble Geruch bei den Sitzungen des Gemeinde⸗ raths.“
„Den wird doch eine zugemauerte Thür nicht vertrei⸗ ben!“ ſprach ironiſch die Kriegsräthin.
„Nein, nein; andere Gründe.“
„Ja, ja, andere Gründe.“
„Mein Mann, der Major....“
„Gründe, die Jedermann weiß, denen man aber keine Worte leiht.“
„Unter uns? Sind doch nur ganz gute Freundinnen hier verſammelt!“
Die Oberſteuerräthin, welche nicht nur allen Hochzeits⸗ feierlichkeiten in der Kirche, allen Taufen daſelbſt oder allen wichtigen Begräbniſſen auf dem Friedhofe, ſoweit dies möglich war, ſelbſt beiwohnte oder ſich durch eine ihrer Töchter vertreten ließ, hatte ſehr lange bedeutſam mit dem Kopfe genickt und ſagte jetzt:„Meine Damen, wir ſind es eigentlich unſerer verehrten Wirthin, der Staats⸗Hauptkaſſen⸗Schuldentilgungs⸗Reviſorin ſchuldig, dieſe delikaten Punkte nicht weiter zu berühren; es iſt das ein Geheimniß der Stadt, und obgleich Jeder es weiß, ſpricht man doch beſonders in gewiſſen Kreiſen nicht gern darüber.“
In dieſem Augenblicke nun zeigte die Reviſorin ihre ganze Charaktergröße— ſie warf das eine ihrer gelben
4


