. Zehntes Kapitel.. 17
„Dabei kommt doch wohl Alles auf die Gründe an, welche der Herr Stadtſchultheiß, mein ſehr verehrter Schwager, hatte,“ meinte die Reviſorin.
„Ja, die Gründe— allerdings, die Gründe ſollte man genau kennen.“
„Dieſe hat ja der Herr Stadtſchultheiß durchaus nicht verheimlicht,“ gab Madame Krampler zur Antwort, wobei ſie ſo ſehr bei der Sache war, daß ſie das Strickzeug in den Schooß fallen ließ und ihre fetten Finger auf den Tiſch zuſammenfaltete.„Gewiß, er hat ſeine Gründe an⸗ gegeben, und ich glaube, ſie wären vom ganzen Ge⸗ meinderathe anerkannt worden, wenn man nicht gedacht hätte, es ſtecke die Regierung dahinter, welche eine Ver⸗ bindung zwiſchen der Hauptwache und dem Rathhauſe für vorkommende Fälle beſeitigen wolle, und deßhalb machten wir die Oppoſition.“
„Die Regierung?“ rief die Oberkriegsräthin in ſehr entſchiedenem Tone aus.„Was kann der Regierung daran liegen, ob ein Gitter im Rathhauskeller vermauert wird oder nicht! Wollte ſie dadurch ihre Hauptwache für vorkommende Fälle, wie die Frau Oberzunftmeiſter ſagte, ſchützen, ſo brauchte ſie ja nur den Gang dieſſeits ver⸗ ſchütten zu laſſen, was ja auch längſt geſchehen iſt, wie ich weiß. Nein, nein, meine Liebe,“ ſetzte ſie mit einem vielſagenden Lächeln hinzu,„es waren andere Gründe, die den Herrn Stadtſchultheißen beſtimmten!“
Hackländer, Das Geheimniß der Stadt, II. 2


