16 Zehntes Kapitel.
ren Orten zu ſagen pflegt, und dann bedurfte es der ganzen Energie der Oberkriegsräthin, um das Geſpräch wieder in Gang zu bringen. Allerdings wählte ſie hierzu ein die Reviſorin etwas nahe berührendes Thema, denn 2 ſie erwähnte des neulichen Balles beim Stadtſchultheißen, lobte das Feſt im Allgemeinen und kam alsdann auf die
gemeinderäthliche Sitzung zu ſprechen, welche an jenem
Tage ſtattgefunden hatte und die als nicht öffentlich, trotz Amtsgeheimniß, in der Stadt ſo bekannt geworden war, als ſei die Verhandlung darüber gedruckt und vertheilt worden. Es war das für ſämmtliche Damen ein ſo in⸗ tereſſantes Thema, daß ſich ſelbſt Madame Krampler der Gegenwart hin⸗ und die Verſicherung abgab, daß ihr Mann, der Oberzunftmeiſter, nie ſo erregt nach Hauſe gekommen wäre, als gerade nach dieſer Sitzung, und doch habe es ſich in ihren Augen nur um eine große Kleinigkeit gehandelt.“
„Eine Kleinigkeit?“ bemerkte die Hauswirthin mit einem etwas auffallenden Lächeln, und die Oberkriegs⸗ räthin ſetzte mit ihrem ſtrengen Blicke und einem entſchie⸗ denen Kopſſchütteln hinzu:„Eine Kleinigkeit? Das möchte ich nun gerade nicht behaupten.“
„Und warum nicht?“ fragte die Oberſteuerräthin. „Was kann Großes darin liegen, ob ein altes Gitter im Keller des Rathhauſes offen bleibt oder zugemauert wird?“


