Zehntes Kapitel. 11
ſchaften ab, als daß ſie bei mir eine Einladung aus⸗ ſchlägt.“
„Verhältniſſe beſtimmen den Menſchen, liebe Ober⸗ kriegsräthin,“ verſetzte Madame Welkermann mit einem leichten, ſchmerzlichen Tone um die Mundwinkel.„Darf ich wirklich keine Taſſe Kaffee mehr anbieten?“
„Danke ſchön, er war ganz vortrefflich! Da überleg' ich mir eben,“ fuhr Madame Schnapper nach einer Pauſe fort,„wo unſere gute Stadtſchultheißin ſein könnte; außer unſerem Kreiſe wüßte ich von keiner größe⸗ ren Einladung, und es müßte auch etwas ganz Außer⸗ ordentliches ſein, um Ihnen abzuſagen.“
„Müßte es das wirklich?“ fragte die Reviſorin in einem etwas gedrückten Tone, wobei die gelben Hauben⸗ bänder auf ihrer Schulter ein wenig zu zucken ſchienen. „Ich nehme das nicht ſo genau,“ ſetzte ſie mit einem leichten Seufzer hinzu,„bin dergleichen ſchon gewohnt und habe treue Freundinnen genug, die auch eine kleine Zurückſetzung wohl verſchmerzen laſſen— bitte, Frau Majorin, nehmen Sie noch etwas von dieſem mürben Kuchen!“ ſetzte ſie mit einer Gewandtheit im Aendern des Geſprächsthema's hinzu, welche ihrem vortrefflichen Herzen alle Ehre machte.„Er iſt bei mir nach einem ganz neuen Recepte gebacken.“
„Ganz. ausgezeichnet,“ ſagte Madame Müller.


