Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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10 Zehntes Kapitel.

Kuchen und mürbes Backwerk wurden ſo tapfer in An⸗ griff genommen, daß die Hauswirthin kaum nöthig hatte, mit einigen ſchüchternen Nöthigungen das ohnehin hitzige Kaffeegefecht anzufeuern. Die Erſte, welche von dem energiſchen Angriffe auf den überaus delikaten Kaffee abſtand, war die Oberkriegs⸗ räthin, indem ſie die ſtrengen Augen auf die Hauswirthin richtete und mit dieſer ein kleines Vorpoſtengeplänkel be⸗ gann.. „Wo iſt denn Ihre liebe Schwägerin, die Frau Stadt⸗ ſchultheißin?“ ſagte ſie mit ſo ſanfter Stimme, als es ihr möglich war.„Ich hatte gehofft, ſie hier zu finden — gewiß kommt ſie ſpäter? Schade, daß ſie nicht ſchon da iſt!“ Ein Bedauern, welches durch ſämmtliche Damen im Chor unter den ſchmeichelhafteſten Aeußerungen für die gute Stadtſchultheißin verſtärkt wurde. „Ach, ich habe wirklich Unglück mit meiner lieben Schwägerin!“ gab die Reviſorin mit einem freundlichen 3 Lächeln zur Antwort.„Daß ich ſie natürlicher Weiſe dringend bat, mir das Vergnügen zu machen, verſteht ſich von ſelbſt; aber die gute Frau iſt ſo in Anſpruch genommen, daß ſie ſich oft nicht einmal ihrer eigenen Familie widmen kann.“ Die Oberkriegsräthin ſchüttelte mit dem Kopfe, ehe ſie trocken zur Antwort gab:„Ei, die Familie ſollte im⸗ 3

mer vorgehen; meine Schwägerin ſagt lieber zehn Geſell⸗