Zehntes Kapitel. 5
ſo werde ich mir erlauben, andererſeits die Türkei zum Muſter zu nehmen.“
Es war kurze Zeit vor der Kaffeeſtunde, beinahe um drei Uhr Nachmittags, jene günſtige Zeit, wo die Ver⸗ dauung des Mittageſſens ſo weit vorgeſchritten iſt, um wieder etwas leiſten zu können, und wo während der kurzen Tage der Winterzeit bald die Lampen angezündet werden konnten, um mit ihrem traulichen Scheine den Kreis der Damen noch enger zu ſchließen und ein freieres Wort zu geſtatten, welches nach gehöriger Wirkung von der Sonnenſeite des Kaffeetiſches raſch in die Schatten des Abends und in die Vergeſſenheit hinüberflog.
In dem blauen Zimmer war der Kaffeetiſch mit äußerſter Sorgfalt gedeckt und ſtand da an Kuchen und mürbem Backwerk in einer Auswahl, wie ſie ein weib⸗ liches Herz nur erfreuen konnte; dabei ganze Berge ſchnee⸗ weißen, in den Bruchtheilen glänzenden Zuckers, ſowie dickbäuchige Porzellankannen mit gelbem, fettem, gemüth⸗ lichem Rahm.
Die Reviſorin hatte ein einfaches ſchwarzſeidenes Kleid an und eine Haube mit langen, gelben Bändern, welche vorn über ihre Schultern herabhingen, die ſie aber, wenn bei aufregender Unterhaltung der Geſprächskampf begann, über die Achſeln zu werfen pflegte. Man kannte dieſe Bewegung, und es machte dies auf ihre Gegner faſt dieſelbe Wirkung, als wenn ein Ritter ſein Viſir
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