Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

auf Kohlen, wenn eine Gemeinderathsſitzung ſich aus⸗ nahmsweiſe einmal über den Mittag ausdehnte, und war es in ſolchen Fällen wohl ſchon vorgekommen, daß ſein Bruder, der Herr Stadtſchultheiß, ihn höchſtſelbſt nach Hauſe begleitet hatte! Ja, Leute, die boshaft genug waren, an ſeinem perſönlichen Muthe zu Hauſe zu zwei⸗ feln, erinnerten ſich ſeiner Rede, die er bei einer Wahl für ſeine Partei gehalten, daß er Mittags beim Glocken⸗ ſchlage Zwölf plötzlich mit den begeiſterten Worten ſchloß, obgleich er noch lange nicht alles geſagt hatte, was er ſagen wollte:„Doch wozu der weiteren Worte? Mögen die drohenden Schläge der Uhr es verkündigen unſeren Feinden, ihnen, die auch zugleich Feinde des Rechtes und der Wahrheit ſind, daß auch für ſie die zwölfte Stunde in Kurzem ſchlagen wird!“ Ungeheures Bravo, große, allgemeine Begeiſterung, unter der Herr Welker⸗ mann ſich ſo raſch er konnte nach Hauſe ſchlich.

Doch es gibt auch Augenblicke, wo ſich ſelbſt das Lamm empört, und ein ſolcher war es, als die Frau Reviſorin in ihrem Reinlichkeitsgefühle den Wunſch äußerte, er möge ſich doch dazu entſchließen, bei Regenwetter die Stiefel vor der Stubenthür auszuziehen, worauf er aller⸗ dings nicht heftig wurde, aber mit einem bezeichnenden Blicke auf das appetitliche Stubenmädchen die bedeutſamen Worte ſprach:„Wenn du es für gut findeſt, in meinem Hauſe ſolche orientaliſche Moſcheegebräuche einzuführen,