Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Zehntes Kapitel. 3

keit, welche der Stolz der Hausfrau und der Schreck ihrer Dienſtmädchen war, denn ſie liebte es, wenigſtens an jedem Tage einmal, beſonders des Morgens, die ſogenannte Staubprobe zu machen, wobei ſie mit dem Zeigefinger über gewöhnlich ſehr verſteckte Möbelflächen fuhr, um als⸗ dann etwas darauf hangen Gebliebenes der Betreffenden, und zuweilen ſehr dicht, unter die Naſe zu halten. Auch liebte ſie, die Fenſtervorhänge ſanft zu ſchütteln, dies aber gewöhnlich dann, wenn ein heller Sonnenſtrahl ins Zim⸗ mer drang, und nahm ſie hierauf die ohnedies harmlos umherfliegenden Staubatome zum Grundtexte einer erbau⸗ lichen Reinlichkeitspredigt. Böſe Zungen behaupteten da⸗ bei, daß die Reviſorin, um ihre Leute ſtets auf dem Allarmpunkte zu erhalten, zuweilen kleine Unordnungen, wenn ſolche ſich nicht von ſelbſt fanden, eigenhändig und heimlich arrangire, um ſo Gelegenheit zu finden, über Unordnung im Allgemeinen und Unſauberkeit im Speziellen zu reden.

Herr Welkermann, der in ſeinen Freiheit athmenden Reden, die er in ſeinem Club, oder im Rathhauſe, oder bei Wahlbewegungen gern zu halten pflegte, ſtets ein heißes Unabhängigkeitsgefühl zur Schau trug, wagte es doch nicht, dieſe ſchönen Eigenſchaften in ſein Hausweſen zu übertragen. Hier ſtand er in dem zweifelhaften Ver⸗ hältniſſe, eigentlich nur geduldet und der erſte Sklave einer tyranniſchen Hausordnung zu ſein. Saß er doch