230 Neuntes Kapitel.
einreden, es ſei Laune, das— das— täuſchend nachzu⸗ machen, und ich war damals ein vermögender Mann und hatte nicht nöthig, mich durch ein Verbrechen zu retten; es war die Grille eines Künſtlers— oh, wenn es das geblieben wäre!“
Darauf verſank er wieder in tiefes Nachſinnen, die Augen auf die rothe Gluth gerichtet, und erſt als dort der erſte weißglühende Tropfen ſichtbar wurde, der, durch den eiſernen Roſt fallend, in der unten angehäuften Aſche verloſch und verſchwand, fuhr er aus ſeinen Träumereien empor und ſagte:„Wie mir bei dieſem Anblicke ſo lebhaft wieder jene Zeit vor die Seele tritt, wo wir Beide unſere Laufbahn begannen, du ein Lehrling in der Maſchinen⸗ ſchloſſerei, ich der arme Neffe des reichen Hüttenwerks⸗ beſitzers— errinnerſt du dich, Friedrich, wie oft wir neben dem Gebläſe des Hochofens kauerten, dem wilden Rauſchen der Blaſebälge ängſtlich horchend und dabei durch die kleine, runde Oeffnung in die Gluth ſchauten, wo ebenfalls ſolche glühende Tropfen aus den ſchmelzenden Eiſenſteinen herabrannen, ein ſchwaches Abbild des Höllenfeuers, wie uns der alte Maſchinenmeiſter zu verſichern pflegte?“
„Ja, ja,“ gab Friedrich kopfnickend zur Antwort,„ſeit jener Zeit hat ſich viel geändert, auch in unſeren Anſichten über Dies und Das.“
„Ich möchte wohl noch einmal dort ſitzen können, ein kleines, harmloſes, unſchuldiges Kind!“


