222 Neuntes Kapitel.
In früheren Zeiten, als Herr von Rivola ſich noch mehrere Tage der Woche hier zu ſeinem Vergnügen be⸗ ſchäftigte, war es ihm ſehr angenehm geweſen, Beſuche zu empfangen, und er machte ſich auch gar nichts daraus, geſtört zu werden, wenn er las, laborirte oder ſeine Land⸗ ſchaften auf der Kupferplatte radirte; es bedurfte alsdann nichts Weiteres, als unten die Frage an Friedrich, ob der Herr Baron auf ſeinem Atelier ſei, worauf der alte Diener die Betreffenden, die er ja meiſtens perſönlich kannte, einfach die Treppe hinaufwies; daß er aber gleich darauf an einer kleinen Feder drückte, die ſich unten, für jeden Anderen unſichtbar, in der Mauer befand, die mit einem Drahte und Hammer in Verbindung ſtand, welcher, droben an eine ſilberne Glocke ſchlagend, einen feinen, aber ſcharfen Ton von ſich gab, wußte Niemand.
Der Kupferſtechertiſch, an welchem Herr von Rivola malte oder gravirte, war durch eine ſinnreiche Vorrichtung derartig conſtruirt, daß es ihm möglich war, ſobald der Ton jener Glocke erklang, jede Spur ſeiner wirklichen Be⸗ ſchäftigung zu verbergen. Der Tiſch hatte nämlich unter der oberen, jederzeit ſichtbaren Platte noch eine zweite ver⸗ borgen, welche bis zu einer gewiſſen Breite herausgezogen werden konnte und vor welcher nun Herr von Rivola ſaß und arbeitete, um, ſobald ſich Jemand der Thür näherte, ſich einfach etwas vorwärts zu neigen und durch dieſe Bewegung des Oberleibes die untere Tiſchplatte zu⸗


