22 Erſtes Kapitel.
zuleſen. Die erſteren waren von verſchiedener Hand, und der Schreiber oder die Schreiberin derſelben beehrte ſich, in kurzen Worten mit großem Bedauern anzuzeigen, daß es ihnen unmöglich geworden ſei, den erhaltenen und ange⸗ nommenen Einladungen zu der heute ſtattfindenden Abend⸗ geſellſchaft Folge zu leiſten. Dies ſchienen aber alles Leute zu ſein, an denen dem Feſtgeber wenig gelegen war, denn ſeine Stirn blieb glatt, ja ſeine Lippen kräuſelten ſich ein paar Mal zu einem behaglichen Schmunzeln. Herr Stadt⸗ rath Spitzler ſprach während deſſen noch immer mit größter Ruhe und Salbung.
Dann zog der Herr Stadtſchultheiß langſam den er⸗ haltenen Zettel vor ſich hin und las, von der Hand der Gattin geſchrieben, die Worte:
„Die Auſtern ſind angekommen, ſcheinen noch friſch zu ſein; ich mußte aber den Tarbot zurückſchicken, da er ſchon bedeutend roch, will nun dafür Hecht nehmen oder Salm, der friſch angezeigt iſt, wenn Dir letzterer nicht zu theuer erſcheint, das Pfund 2 Gulden. Die Bramler hat abge⸗ ſagt, ſie iſt eine dumme Perſon, woran ich jedoch nie ge⸗ zweifelt; ſie war ſelbſt da und meinte, für große Geſell⸗ ſchaft tauge ſie doch nicht recht! was ſie liebe, ſei ein kleiner Kreis ihrer Freunde. Ich verſtand dieſen fein ſein ſollenden Stich wohl, weil wir ſie neulich Abends nicht eingeladen— alſo Hecht oder Salm?“
Der Seifenſieder⸗Ober⸗Zunftmeiſter ſprach immer noch


