Erſtes Kapitel. 19
der unteren Halle, hatte er einen reichen, aus Stein ge⸗ meißelten Oberbau, in deſſen Mitte man das große fürſt⸗ liche Wappen ſah, rechts und links von geharniſchten Rit⸗ tern bewacht.
Was dem ganzen Eindrucke indeſſen einigen Abbruch that, war der moderne, mit einem grünen Tuche überdeckte Tiſch in der Mitte des Saales, mit ſeinen einfachen Stühlen und dem Stücke ziemlich geſchmacklos carrirten Fußteppichs, auf dem er ſtand. Wenn man aber die Beſtimmung dieſes Tiſches mit ſeinen Actenſtößen und plumpen, ſchwarzen Dintenfäſſern ins Auge faßte, und wenn man die würdigen Männer betrachtete, die, um ihn herumgereiht, ihre volle Thätigkeit dem Wohle der Stadt widmeten, ſo mußte man ſich das Recht der Gegenwart gefallen laſſen, das Recht der der Poeſie feindlichen Proſa, wo ſich das Schöne und Angenehme mit dem Nützlichen verbinden muß.
Ein mächtiger Kachelofen in einer Ecke des Saales, viereckig und unſchön, kann unſere Aufmerkſamkeit nur deß⸗ halb in Anſpruch nehmen, weil er in dem großen Raume eine recht behagliche Wärme verbreitet.
In der Mitte an der langen Seite der Tafel ſaß der Stadtſchultheiß in einem bequemen Armſtuhle, vor ſich Dintenzeug, Papiere, ein Glas Waſſer und die Handglocke mit majeſtätiſchem Klange, welcher oft genöthigt war, die ſtreitenden Parteien zu beruhigen, wenn ſie ſich überboten


