Erſtes Kapitel. 13
„Ein paar Briefe für den Herrn, auf welche aber keine Antwort nöthig iſt, wie die Frau Stadtſchultheiß ſagte; dann aber hier einen Zettel, den der Herr, wenn's angehe, durchſehen möchte und mit Bleiſtift darauf ſchrei⸗ ben, was er will. Können Sie das jetzt hinaufbringen, und kann ich darauf warten?“
Der Amtsdiener legte ſeine rechte Hand unter das Kinn, blickte an die Decke empor und ſagte nach einer kleinen Ueberlegung:„Es wird angehen; ich war ſchon vor einer Viertelſtunde oben, und da fing gerade der Herr Stadtrath, Seifenſieder⸗Ober⸗Zunftmeiſter Spitzel, an zu reden. Der thut's nie unter drei Viertelſtunden, und wenn der Herr Stadtſchultheiß nur auf die letzten zwölf Worte Achtung gibt, ſo weiß er ganz genau, was der Mann geſagt hat.“—
„So will ich hier warten,“ erwiederte das hübſche Dienſtmädchen.„Aber bleiben Sie nicht zu lange aus, es iſt mir immer graulich hier, und faſt am hellen Tage fürchte ich mich in dieſem öden, geheimnißvollen Saale.“
Der Amtsdiener war mit den Papieren hinausgegangen, und Jungfer Margarethe, obgleich ſie den Steuerſchreiber, der am Eingange eine Feder ſchnitt, wohl geſehen, that nach Art wohlgezogener Dienſtmädchen guter Häuſer doch, als ob ſie ihn gar nicht bemerkt, ja, auch dann nicht einmal, als er mit einem Strohſeſſel hervortänzelte, den er ihr zum Sitze anbot.


