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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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ſchaftlichere Behandlung von ſeinen Offizieren verlangt, als ſie die Subalternoffiziere den Soldaten der Linie meiſtens angedeihen laſſen.

Die Landwehrreiterei beſteht nur aus Lanzenreitern, zu welchen Alle übergehen, die in der Linie als Huſaren, Dragoner und Küraſ⸗ ſiere gedient. Ihre Bewaffnung beſteht in der Lanze, dem Säbel, der Piſtole, und außerdem iſt der vierte Zug jeder Schwadron, die Flan⸗ keurs, mit Karabinern verſehen. Die Landwehrartillerie hält nur ihre jährlichen Schießübungen, zu welchen ihr Geſchütze und Pferde von der Linie geſtellt werden. Da die Artilleriebrigaden der Linie ſtark genug ſind, um bei den großen Manövern zu markiren, und da es dem Staate zu große Koſten machen würde, der Landwehrartillerie ebenfalls die nöthigen Pferde zu ſtellen, ſo wird dieſe nicht heran⸗ gezogen, ſondern von ihren beſondern Schießübungen nach Hauſe entlaſſen.

Das gleichzeitige Zuſammenziehen der Linie zu Brigaden, Divi⸗ ſionen und Armeecorps iſt natürlich mit weit weniger Schwierigkeiten verbunden und kann raſcher bewerkſtelligt werden; doch werden auch hiezu große Vorbereitungen gemacht. Auf den Kammern wird Alles revidirt, bei der Reiterei und Artillerie Pferde und Geſchirre ſorg⸗ fältig gemuſtert und überall fleißiger als je exerziert. Beim Appell, wo früher nach fehlenden Knöpfen oder zerriſſener Uniform geſpäht wurde, müſſen jetzt Mantelſäcke und Torniſter, kriegsmäßig gepackt, vor⸗ gezeigt werden, und dies geſchieht oft, ehe der Soldat im Stande iſt, die vielerlei vorgeſchriebenen und nöthigen Sachen in das enge Be⸗ hältniß hinein zu zwängen. Bei Tag und bei Nacht werden Marſch⸗ übungen gehalten, wobei Alles mit vollſtändigem Gepäck und Waffen ausrückt, damit ſich die Mannſchaft vorläufig etwas daran gewöhne, die ſchwere Rüſtung halbe Tage lang, oft in brennender Sonnenhitze, mit ſich herumzuſchleppen. Auch die Soldaten ordnen ihre kleinen Privatangelegenheiten, als ginge es in Krieg und Tod, das heißt, ſie rechnen mit den Marketendern und Commisweibern ab und bezahlen ihre Schulden, um auf dem Marſche und im Lager neue machen zu können. Endlich werden aus den Unteroffizieren und Gemeinen ein paar tüchtige Leute ausgeſucht und zum Quartiermachen vorausgeſchickt. Sie erhalten eine Marſchroute, worin die Dörfer verzeichnet ſind, durch welche das Regiment kommt, ſo wie einen Etat der Stärke deſſelben, welchen ſie den betreffenden Ortsbebörden vorzuzeigen haben.

Das Quartiermachen hat, wie Alles im Leben, ſeine Licht⸗ und Schattenſeite. Der Infanteriſt darf gewöhnlich hiebei nicht den ſchwe⸗ ren Torniſter ſchleppen; er wird ihm auf dem Wagen der Compagnie nachgeführt; er, wie der Reiter, braucht nicht im unerträglichen Staube, den das Regiment beim Marſche emporwirbelt, dahin zu ziehen; er 8