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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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kann ſich beim Ausruhen den ſchattigſten Platz auf der Bank vor einem Wirthshauſe ausſuchen und braucht ſich nicht, wie ſeine Ka⸗ meraden, in voller Sonnenhitze auf den Rand der Landſtraße zu ſetzen, und endlich gerwehrt ihm Niemand, ſich in das beſte Quartier zu 8 legen. So weit ginge Alles gut; aber jetzt, ſtatt ſich, müde vom. Marſch, auf ſein Lager hinzuſtrecken, muß er Stunden lang auf dem Rathhauſe ſtehen, bis die Quartierbillets ausgefertigt und ihm zuge⸗ 5

ſtellt ſind; dann hat er Brod und Fourage für die ganze Batterie 8 oder Compagnie zu empfangen, hat die Quartierbillets für die Cor⸗ 3 poralſchaften, Beritte oder Geſchütze zu ordnen, und muß die Quar⸗ 1 tiere des Capitäns, der Lieutenants und des Feldwebels beſichtigen, 3 damit nicht einmal einer dieſer geſtrengen Herren zufälliger und ent⸗ 4 ſetzlicher Weiſe ein Unterkommen findet, das nicht beſſer iſt, als das* jedes ſeiner Untergebenen. Dabei hat der Quartiermacher noch allerlei

Privataufträge zu beſorgen. Der Capitän wünſcht nicht zu weit vom Feldwebel und ſeinem Lieblinge, dem Lieutenant X., zu liegen., der Lieutenant Y. hofft einen guten Trunk in der Nähe zu finden, und der Lieutenant Z. beſteht auf einem Quartier, in dem ſich wenigſtens ein hübſches Mädchen befindet. Wehe dem Quartiermacher, wenn es ihm nicht gelingt, dieſe Forderungen einigermaßen zu befriedigen. Man mag ſich noch ſo große Mühe gegeben haben, man geht am andern Morgen immer mit Zittern und Zagen der anrückenden Truppe ent⸗ gegen; denn man kann ſicher darauf rechnen, daß man es Niemanden recht gemacht hat. So erinnere ich mich, daß ich eines Tages, weil 1 auf meinem Zettel ſtand, die Fourage für die Pferde der Herren Offiziere werde auf einem Wagen nachgeführt, in die Quartiere der⸗ ſelben keine hinlegen ließ, worauf mir mein Herr Hauptmann, mit dem ich ohnehin nicht im beſten Vernehmen ſtand, die Bemerkung 44 machte, ich müſſe auf dem Marſche ſehr ſtark gefrühſtückt haben, und 8. mir allergnädigſt einen Arreſt von vierundzwanzig Stunden zukommen 3 ließ. Der Quartiermacher empfängt das einrückende Regiment, über⸗ gibt ſeine Zettel, nimmt, wie geſagt, ſeine Verweiſe in Empfang, und

bricht alsbald nach dem nächſten Orte auf, wo dieſelbe Geſchichte mit

aandern Variationen wiederkehrt.

8 Da die Infanterie nur vier bis fünf, die Cavallerie nur ſechs bis ſieben Stunden täglich zurücklegt, ſo dauern die Märſche zum La⸗ ger, bei etwas entfernter Garniſon, ſehr lange. Trotz dieſer kleinen Etappen leidet die Mannſchaft auf dem Marſche häufig ſehr bedeutend. Die Manöver werden meiſt im Auguſt oder September gehalten, wo die Hitze und noch mehr der Staub die Leute quält. Offiziere und Unteroffiziere haben an ſolchen Tagen genug zu thun, um die erhitzten Menſchen vom voreiligen Waſſertrinken abzuhalten. Arreſtverheißun⸗