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lei Koſtümen. Ein geübtes Auge unterſcheidet leicht die verſchiedenen Handwerke und Waffenarten. Der Schuſter trägt einen kurzen Rock, der Schmied einen langen, der ihm bis auf die Füße reicht, und der Schneider iſt nach der neueſten Mode gekleidet. Die Artillerie und Reiterei halten ſich geſetzt, ſo wie ſie pflegen, und die Infanterie ſucht ſich ein Anſehen zu geben, indem ſie am meiſten lärmt und ſich vor den Wirthshausthüren herumtreibt. 7
Von hier aus zieht jede Compagnie nach der Stadt, wo ſich der Major aufhält und wo ſich die Kammer befindet, von der der Land⸗ wehr die Uniformen und Waffen abgegeben werden. Auch die Pferde ſind hier verſammelt, und von den dazu commandirten Reiterofficieren der Linie werden von den tauglichen ſo viele ausgeſucht, als für die Escadron nöthig ſind. Jeder Eigenthümer erhält ſodann für ſein Pferd einen Empfangſchein, worauf die Summe bezeichnet iſt, die er während der Dauer der Manbver täglich für ſein Pferd erhält. In einigen Kreiſen beträgt die tägliche Miethe einen preußiſchen Thaler, in andern ſogar einen Thaler und zehn Groſchen, und außerdem ver⸗ ſteht es ſich von ſelbſt, daß jeder Schaden, der dem Pferde zuſtößt, ſei es, daß das Thier bei der Zurückkunft lahmt oder gedrückt iſt, dem Eigenthümer beſonders vergütet wird. Welch große Koſten dem Staate ſchon hieraus erwachſen, ermißt ſich leicht, wenn man bedenkt, daß oft die Eskadronen und Regimenter, die ſehr weit zum Sammel⸗ platz haben, mit Einſchluß der Manöverzeit, zwei Monate im Dienſt ſind.— Die Mannſchaft wird ſofort equipirt und vom Gewehr bis zum Ueberzug des Kochgeſchirrs mit allem Nöthigen verſehen. Alle Landwehrmänner erhalten nun ihre Quartierbillets und haben für morgen Stunde und Ort erfahren, wann und wo das Exerzieren be⸗
ginnen ſoll.
Am Einzug und dem Zuſammentreten der Landwehr nimmt Alles in den Kreisſtädten, von dem Alten, der das eiſerne Kreuz auf der Bruſt trägt, bis zum kleinſten Schulknaben, den lebhafteſten Antheil. Die Hauseigenthümer haben lieber Landwehr im Quartier als Linien⸗ ſoldaten und die Buben laufen den ankommenden Soldaten entgegen, um ihnen Tſchako und Waffen nachzutragen, was äußerſt poſſterlich ausſieht. Jetzt beginnen die Exerzitien, und nachdem ſich die Leute erſt wieder in der entwöhnten Kleidung etwas zurecht gefunden haben, er⸗ langen ſie in kurzer Zeit ihre frühere Fertigkeit im Gebrauch der Waffen. Da die Landwehr meiſtens aus ältern, kräftigern Leuten beſteht und gewiſſermaßen mit der Linie rivaliſirt, ſo bemüht ſich Alles, die Handgriffe und Bewegungen auf's Pünktlichſte auszuführen. Ge⸗ wöhnlichweiß es. auch die Militärbehörde ſo einzurichten, daß auf demſelben Platze ein Linienregiment neben der Landwehr exerziert, wo
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