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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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85 es noch einmal wagt, drum bleibt nur davon, ſie hat doch kein erz.

1, Sie hat ein Herz, entgegnete der junge Mann,ſie muß ein liebendes Herz haben, und eh' ſte mir entſchwand, warf ſie mir einen Blick zu, nicht zornig, aber ernſt und unruhig. Sie ſoll mir Rede ſtehen, denn ich will die nächſte Nacht wieder hinauf.Nun, ſagte der Fiſcher,Gott helfe Euch! Ihr rennt in euer Verderben, legt Euch wenigſtens jetzt ein paar Stunden hin; es iſt noch früh in der Nacht.

Kaum war am andern Abend die Sonne hinter den Felſen am Rhein verſchwunden und das Stromthal füllte ſich mit blauem Nebel, den Vorboten der Nacht, da ſchlug der Fiſcher, welcher ſich mit ſeinem Boot am jenſeitigen Ufer befand, ein Kreuz auf ſeiner Bruſt und ſeufzte dabei tief. Denn die Lurley ſang auf ihrem Felſen gar zu ſchön. Er hatte ſeinen jungen Freund hinübergefahren, der ſchon eine große Strecke emporgeklettert war. Bald ſtand dieſer ſtill und athmete den Geſang der Fee ein, dann ſtieg er wieder raſch vorwärts. Aber ungefähr in der Mitte des Berges ſetzte er ſich einen Augenblick auf einen großen Stein und ſchaute rückwärts in den grünen Rheinſtrom. Ihm war die Bruſt ſo wonnig voll und doch beengt. Da unten fuhr der Fiſcher, ſein alter Wirth, langſam nach Hauſe, und hinter ihm bildete das durchſchnittene Waſſer einen langen Silberſtreif. Wie der junge Mann ſich wieder erhob, grüßte er mit der Hand hinunter und ſagte unwillkürlich leiſe:Leb wohl, auf ewig! darauf klimmte er wieder rüſtig zu und erreichte bald den Gipfel.

Hier ſaß Lurley, die ſchöne Waſſerjungfrau, und flocht zu ihrem Geſang aus Waſſerroſen und Schilfblumen einen Kranz; kein wildes Lachen ſcholl dem Jüngling entgegen, ſondern ſie ſah ihn halb freund⸗ lich mit den großen blauen Augen an und hörte auf zu ſingen, als er ſich mit glühendem Blicke neben ſie ſetzte und ihren Schleier an die Lippen drückte.Was ſtörſt du mich hier oben? ſagte die Fee nach einer langen Pauſe.Was erklimmſt du meinen Sitz und wagſt dein Leben dabei?Haſt du mich nicht angezogen? entgegnete ſchüch⸗ tern der Jüngling.Hat dein Geſang nicht nach einem Herzen ge⸗ rufen, das dich verſtünde? Und wage ich auch mein Leben, was iſt es mir, wenn ich damit deinen Anblick erkaufen kann?Das iſt eure Thorheit, ihr Menſchen, ſprach die Jungfrau,daß ihr Alles auf euch bezieht. Ich ſinge zu meiner Luſt, ihr glaubt, es gelte euch klettert empor, und wenn ich dann über euch lache, ſtürzt ihr hinab und ſeid todt. Das ſoll dann Alles die arme Lurley gethan haben.

O ſage nicht, antwortete der Jüngling,daß du ohne Abſich deine Lieder erſchallen ließeſt, ſage das nicht, es iſt eine Leere in dei