Bruſt, welche dich dazu antreibt, und mein ödes Herz hat dich ver⸗
ſtanden, es hat dich darum aufgeſucht. Ich irre ſchon lange in der
Welt herum und verlange nach dir, ohne dich zu kennen, und jetzt
wo ich dich gefunden, laſſe ich dich nimmer. Sieh mich nicht ſo kalt
an. Lieber jenes entſetzliche Lachen von geſtern, ſtürzt es mich auf
die Felſen hinab, dann wäre ich vielleicht todt und ruhig!“—„Wer
biſt du denn?“ fragte die Jungfrau mit ſehr weicher Stimme und
beugte ſich zu ihm, daß ihre Goldhaare ſein weiches berührten.—
„Erlaß mir die Antwort dieſer Frage, ſie könnte dich doch nicht be⸗
friedigen. Weiß ich denn, wer du biſt. Mir biſt du ein holdes, ja
ich ſage es laut, ein geliebtes Weſen. O kann ich dir das nicht auch
ſein?“—„Vielleicht ja,“ antwortete leiſe die Lurley, und drückte ihm
ihren Schilfkranz auf die Locken.„Ich könnte dir gut ſein, wie nie
Jemand, ich möchte mit dir koſen, aber ehe ſage mir, was zog dich
zur Waſſerjungfrau? warum kommſt du wieder zu mir herauf, nach⸗
dem ich dich geſtern mit meinem lauten Lachen abgeſchreckt? Warum
wagteſt du es, dich neben mich zu ſetzen. Fürchteteſt du nicht die
4 Lurley?“—„Nein, Jungfran,“ entgegnete der junge Mann,„ſchon
geraume Zeit Kreife ich in der Welt umher, und eine Stimme in mei⸗
ner Bruſt flüſtert mir zu: ich ſolle ein Herz ſuchen, welches für mich
ſchlüge, und nie hat die Stimme geſchwiegen, bis ich geſtern Abend
deinen wundervollen Geſang hörte und mir durch ein ſeliges Gefühl
bei deinem Anblick kund ward, daß du es ſeieſt, welche ich geſucht.
O du haſt auch ein Herz, nicht wahr, Lurley?“—„Ja,“ lispelte die
Waſſerfee und ein eigener Glanz belebte ihr blaues Auge, neines,
welches heftig pocht und für dich, du ſeltſames Menſchenkind. Ich
weiß nicht, wie mir iſt; aber ich liebe dich plötzlich mit der ganzen
Kraft meiner Seele. Fühle, wie mein Herz ſchlägt.“ Sie legte ihm
ihren weißen Arm um den Hals, und wollte ihn an die wildathmende
Bruſt ziehen. Mit glühender Zärtlichkeit in dem Blick ſtarrte ſte der Jüngling ſelig an, und entzog ſich doch ſanft ihrer Umarmung.„Höre
mich, Lurley,“ ſprach er,„dein Blut flammt, deine Hand zittert, aus
deinem Weſen weht ein ſprühendes Feuer, in das ich mich entzückt
hineinwerfe und da verbrenne. Mich, die Mücke, muß das ſtrahlende
Licht verzehren. Doch ehe ich in deinen Armen ſterbe, ſage mir Lebe⸗
wohl, verſprich mir, mich nicht zu vergeſſen, gedenke zuweilen meiner.“
„Was ſagſt du da,“ entgegnete die Jungfrau, und ihrem Auge ent⸗
ollten ein paar Thränen, die aber nicht wie die der Menſchen zu
Boden fielen, ſondern gleich von den Lüften gierig eingeſogen wurden.
„Fürchteſt du mich? Glaubſt du, ich ſei ein treuloſes Weib und er⸗
** droſſelte dich in meinen Armen? Was haben wir armen Nirxen euch
gethan, daß ihr Menſchen uns verläumdet, uns ſo bösartig und falſch
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